Eintauchen in das Weibliche

In diesen Tagen empfinde ich eine große Hingabe an das weibliche Element. Eine Stimme in mir ermutigt mich, dieser empfangenden und stillen Seite in mir bedingungslos zu vertrauen. Mein Wille erscheint mir machtlos gegenüber dieser starken Kraft, welche aus der Tiefe zu mir spricht und mir die Tür weit offen hält, hinein in das Sein. 

Ich fühle mich privilegiert, dass ich die Möglichkeit habe, diese Tage genau so nutzen zu können: nichts müssen – Einfach sein – beobachten / wahrnehmen – offline gehen. Es ist ein Geschenk, für mich sorgen zu können und zu Hundert Prozent meiner inneren Stimme folgen zu dürfen. Wenn ich diese Zeilen schreibe, dann ist mir bewusst, dass dies nicht selbstverständlich ist. Die Voraussetzung hierfür ist ein langer Weg und meine Entscheidung, mich von äußeren Erwartungen zu lösen. 

Vielleicht denkst du gerade, dass es einfach ist, sich Zeit zu nehmen und der inneren Stimme Raum zu geben, wenn es keinen Nine-to-Five-Job gibt, keine Familie, die ständig etwas braucht und will, keinen Partner/keine Partnerin, welche Aufmerksamkeit und Zeit beansprucht…

Aber liegt die Zeit, die du dir nimmst, nicht außerhalb einer äußeren Zeitschiene? Nimmst du dir immer wieder Zeit für einen tiefen Atemzug inmitten der Hektik deines Tuns im Alltag? Schenkst du der Empfindung, die in diesem Moment in dir auftaucht, deine Aufmerksamkeit, nur für eine Minute? Oder denkst du, dass dafür keine Zeit hast oder gerade nicht der richtige Raum dazu da ist? Was ist mit deinem Wahrnehmen dessen, wo du gerade ein Ja oder ein Nein geben möchtest? Und, erlaubst du dir, dich damit zum Ausdruck zu bringen und dich zu zeigen? Oder glaubst du, dass deine Wünsche in deinem Alltag keinen Platz haben und du warten musst, bis zum Wochenende oder bis zum nächsten Urlaub? 

Ja, ich habe das Privileg, dass ich mich dazu entscheiden kann, dass ich mir die Tage frei nehme, so wie mein innerer Prozess läuft. Doch auch hier gibt es eine Schattenseite. Ich muss mich dem stellen, dass ich in dieser Zeit kein Geld verdiene oder ich vielleicht mein Klientel vor den Kopf stoße, wenn ich für ein paar Tage nur eingeschränkt zur Verfügung stehe. Auch ich musste den Weg gehen und mich mit meinen Feldern von Mangel und zu wenig auseinandersetzen, wenn ich für mich sorge und meiner inneren Stimme vertraue. Jedes Mal, wenn ich meinem natürlichen Rhythmus folge und mich dem öffne, was gerade ansteht, dann kann ich nicht mehr sehen als das, was sich im Jetzt zeigt. Alles weitere liegt im Verborgenen und wird sich erst zeigen, wenn ich mich auf das, was jetzt wichtig ist, einlasse. 

Hier liegt aus meiner Erfahrung heraus die wirkliche Herausforderung, nicht darin, ob wir Zeit haben oder nicht, ob unser Alltag freie Bewegung zulässt oder nicht. Es ist unser Drang, wissen zu wollen, was als nächstes kommt, wo der Schritt, den wir gerade nehmen, hinführt. 

Jedes Mal, wenn du dich für das Noch-Nicht-Wissen-Wie, die Unsicherheit, deine Verletzlichkeit und deine Angst entscheidest, erlaubst du dir, einfach zu sein. Dann folgst du der Einladung deiner weiblichen Seite und begibst dich in einen leeren und dunklen Raum. Dieser Raum verspricht Geborgenheit und Genährtsein, wenn du darauf vertrauen kannst, dass es die Gebärmutter deiner Träume ist. 

Dein Leben wird nicht im Außen geformt. Der Same für neues Leben wächst in deinem Innersten. Da, wo du aufhörst, deine Zukunft wissen zu wollen. Da, wo du beginnst, die Stille und das Schließen deiner Augen zu genießen. 

Was passiert, wenn du dich gerade mal für einen Moment zurücklehnst. Einen tiefen Atemzug machst, deine Augen schließt und dir für eine Minute erlaubst, dass es nichts zu tun gibt.

Was taucht in dir auf? Entspannung? Erleichterung? 

Was würde passieren, wenn du diesen Moment als die wahre Essenz deines Seins begreifen kannst. Was würde sich in deinem Alltag ändern, wenn du dem zu Hundert Prozent vertraust, dass es immer wieder um dein Zurücklehnen, Atmen und Genießen geht? Was wäre dann das Ziel in deinem täglichen Tun? Fühlst du dich dann genährt und versorgt? Kannst du vertrauen, dass diese Haltung dir alles bringt, was du brauchst und dir wünschst? 

Damit meine ich nicht, setze dich hin und tu nichts! Dass es egal wäre, ob du etwas tust oder nicht. Was ich damit meine ist, dass du beginnst, dich auf den Moment, den Ort, den Platz, an dem du gerade stehst, wirklich einlässt. Dass du zulässt, was du fühlst und willst, ohne, dass du etwas damit machst, sondern diesem in dir Raum gibst. Ohne zu bewerten und zu analysieren. Bewusst die innere Bewegung im Atmen geschehen lässt. Diese Haltung erfordert Konzentration und innere Stärke. Dies ist die Kraft, welche deine Träume zur Entfaltung bringt. Deine innere Präsenz und dein Mut, der Dunkelheit in dir zu vertrauen. 

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