Keine Zeit für Larifari

Die vergangenen Tage sind geprägt von tiefen Berührungen, vielleicht sogar mächtigen Erschütterungen in uns. Diese fordern uns heraus, uns auf das, was sich im Unbewussten regt, einzulassen. Wir müssen gerade tiefer blicken und uns nicht von den Regungen an der Oberfläche täuschen lassen. Gerade dann, wenn wir mit Ohnmacht, der Übermacht im Außen, oder der dunklen Seite in uns konfrontiert sind, neigen wir dazu, uns in die alten Geschichten von Opfer oder Täter zu flüchten. Doch was wäre, wenn es darum nicht mehr geht? Wenn wir nun aufgefordert sind, uns über diese Polarität hinwegzusetzen und uns zu erlauben die Ebene in uns zu wechseln? Damit meine ich, was wäre, wenn wir begreifen, dass uns keine Zeit mehr bleibt, uns den inneren und äußeren Dramen zur Verfügung zu stellen. Schluss mit Larifari! Jetzt geht es darum, dass wir beide Füße auf die Erde stellen. Die Erdung in uns selbst wählen, indem wir uns kompromisslos geben, was wir brauchen, und uns mit aller Konsequenz im Rücken stehen. 

Schluss damit, dass du weißt, was du eigentlich tun müsstest und dem nicht folgst, aus Angst zu verlieren oder abgelehnt zu werden.
Schluss damit, dass du deine innere Stimme ignorierst, weil sie dir etwas sagt, was dich in eine unangenehme Situation bringen könnte.
Schluss damit, dass du deinem Impuls nach Veränderung in deinem Leben nicht folgst, aus Angst, was der Preis hierfür sein könnte.
Schluss damit, dass du dich selbst verurteilst, weil dies leichter ist, als zu dir zu stehen.
Schluss damit, dass du dich schämst, weil dies vertrauter ist, als die Kraft in dir zu spüren. 

Die Enge dient gerade dazu, dass wir bewusst eine Entscheidung treffen für das Neue, das Ungewisse, das Nicht-wissen-wie. Jedoch nicht, indem wir geradewegs nach vorne laufen, sondern indem wir uns erst einmal einlassen, auf das, was da ist, bis es ruhig in uns wird. Erst dann geht es weiter und meist ganz unangestrengt. 

Damit stellen wir keine Fragen mehr wie: Ist das richtig oder falsch, was ich fühle? Wie kann ich die Enge in mir schnell lösen? Was muss ich tun, damit ich diese unangenehmen Empfindungen nicht fühlen muss? Dann fragen wir uns nur noch: Was lerne ich gerade jetzt in diesem Moment? Was zeigt sich mir mit meinen Empfindungen und möchte von mir mitfühlend und wertschätzend gesehen werden? 

Damit lösen wir uns von der Ebene, in der wir im Außen und den Umständen, die gerade auf uns einwirken, hängen bleiben. Wir begeben uns auf die Ebene, in der wir die Beobachterin, der Beobachter sind und uns verbunden fühlen mit unseren tiefen Schichten von Erfahrungen. Diese können wir nutzen, sobald wir begreifen, dass darin der Schatz liegt und nicht im Verstehenwollen, was im Außen geschieht. Allerdings bedeutet dies, dass wir uns dem Dunklen in uns zuwenden, dass wir uns dem öffnen, was nicht sichtbar ist. Dem sollten wir vertrauen und uns darin trainieren, dass dies die Sicherheit ist, nach der wir uns sehnen. 

So liegt der Schatz in der aktuellen Situation und den damit einhergehenden Herausforderungen darin, dass wir die Erfahrung machen können, bereits alles in uns zu haben, was wir brauchen. Dass wir längst in der Eigenmacht angekommen sind, wenn wir loslassen, dass wir im Außen etwas verändern müssten, um nun vorwärts zu kommen. Zugleich sollten wir die aktuelle Phase von hoher Aufmerksamkeit und folgender Erkenntnisse nicht dazu missbrauchen, dass wir dem Fühlen entkommen wollen. Es geht nicht um das „ich weiß es doch schon und mir ist klar, worum es geht“. Dann sind wir der Zaungast, welcher auf den eigenen Weg guckt, diesen Weg jedoch nicht geht, durchlebt und durchfühlt. 

Es genügt nicht, dass wir sehen, dass der alte Weg an dieser Stelle zu Ende ist und wir den neuen Weg erkennen können. Wir müssen uns auf den Weg einlassen und uns indem ebenfalls der Angst und Ohnmacht stellen. Dies bleibt uns nicht erspart, weder im Hängenbleiben auf den alten Wegen, noch im Wählen neuer Wege. Doch, wenn wir die neuen, noch unbekannten, nicht vorhersehbaren Wege wählen, dann gewinnen wir am Ende Stärke und Selbstvertrauen. Wenn wir auf den alten, vertrauten Wegen bleiben, erwartet uns nur die Dauerschleife und die Frustration. 

Damit du die aktuellen Herausforderungen für dich nutzen kannst, solltest du gut darin trainiert sein, den Boden und das Gehaltensein in dir selbst zu fühlen. Das ist die Voraussetzung, um in dem Moment, in dem du dich der Ohnmacht und der Angst in dir öffnest, ein tiefes Entspannen und Loslassen erfahren kannst. Bist du noch nicht trainiert, dann ist jetzt die beste Zeit damit anzufangen! 

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