Mut zur Eigenmacht

Immer wieder passiert es mir in Begegnung, dass mein Gegenüber plötzlich von mir irritiert ist und ich deutlich fühlen kann, wie die Projektionen losgehen. Meist ist dies ein Moment, in dem ich davon erzähle, wie ich meinen Weg gehe. 

Zum Beispiel meine Namensänderung von Ilona zu Anna oder meine Entscheidung, Genuss-Veganerin zu sein. Beides stößt Menschen vor den Kopf. Lange Zeit hab ich mich deswegen in solchen Momenten schlecht gefühlt, war im Widerstand und habe mit mir selbst gehadert. Ich hab mich gefragt, was ist bloß mit mir falsch, dass ich immer wieder diese Reaktionen hervorrufe? Heute weiß ich, dass es meine Eigenmacht und innere Freiheit sind, welche verschrecken und sofort die eigenen Themen an den Start holt. Nun ist es nicht meine Aufgabe, mein Gegenüber vor den eigenen Themen zu bewahren oder partout zu verhindern, dass etwas getriggert wird. Es geht also nicht darum, dass ich lieber nichts von mir erzähle, um bloß keine schlafenden Hunde zu wecken. Sondern es geht darum, mich meiner Verletzlichkeit zu stellen, wenn ich bemerke, dass plötzlich die getrübte Sicht des anderen sich wie ein Schleier auf mich legt. 

Für viele ist es unvorstellbar, dem Umfeld eine Veränderung zuzumuten, einfach nur, weil es Freude macht oder man es will. Es gibt also keinen triftigen Grund, keine Notwendigkeit und damit keine Rechtfertigung für das eigene Tun. Interessant finde ich es, wenn in solchen Situationen anstelle von Bewerten und Beurteilen die Erfahrung in den Mittelpunkt gestellt wird. 

Also was berührt es in dir, wenn ich dir erzähle, dass ich einfach meinen Namen gewechselt habe oder Genuss-Veganerin bin, weil es mir Freude macht, ich es will und es sich gut anfühlt? Wenn dich diese Frage triggert, dann steckt dahinter vielleicht die Verletzlichkeit, wenn du für dich einstehst oder aber das Verletztsein über Momente, in denen du nicht für dich eingestanden bist. Es könnte sein, dass du Erfahrungen gemacht hast, in denen du abgelehnt und verlassen wurdest, weil du für dich gesorgt hast und deine Wünsche in die Tat umgesetzt hast. Oder umgekehrt, dass du durch das eigenmächtige Handeln deines Umfeldes verletzt und enttäuscht worden bist. 

Sobald du verstehst, dass eine Geschichte hinter deiner Verletzlichkeit steckt, begibst du dich auf die Ebene einer Erfahrung. Damit wagst du die Begegnung mit dir selbst und nutzt dein Getriggertsein, um bisherige Glaubenssätze loszulassen und eine neue Sicht auf dich selbst zu gewinnen.

Dann sind eigene Entscheidungen und ein eigener Lifestyle nicht länger besser oder schlechter, sondern interessant. Interessant deshalb, da es spannend ist, was es in dir auslöst. Also was in dir möchte sich gerade entfalten und was möchte wachsen? Was zieht dich und weckt dein Wollen? Damit begibst du dich auf eine innere Reise und lässt dich darauf ein, was sich in dir hierzu zeigen möchte. Ja, was vielleicht sogar gelebt werden möchte und nur darauf wartet, dass du beginnst, eigenmächtig zu entscheiden und zu handeln. Damit kommst du der Motivation deines Wollens und der Intention in deiner Natur auf die Spur. Und du bekommst eine Ahnung davon, was am Horizont auf dich wartet. 

Vielleicht kennst du es, dass du an dieser Stelle lieber umkehrst oder stehen bleibst. Die Angst ist zu groß, wenn du weitergehst, dass du nicht in Ordnung bist, du zu viel willst, dich täuschst oder es einfach ein Luftschloss sein könnte. Doch eigentlich ist es die Angst vor der unweigerlichen Veränderung und dem Loslassen, wenn du den nächsten Schritt gehst. Sobald du deinem Wollen folgst und dich davon führen lässt, wirst du dem blinden Fleck, dem Tabu in deinem Tun begegnen. Damit meine ich, dass du dir deiner Verletzlichkeit bewusst wirst. Wir alle sind Mensch und somit fehlbar. Zugleich sehnen wir uns danach, keine Fehler zu machen und in Harmonie miteinander zu leben. Aus diesem Grund suchen wir die Zugehörigkeit zu einer Ideologie oder einer Religion. Hier finden wir den Rückhalt, den wir uns wünschen und eine Versicherung für unser Tun. Das sind aus astrologischer Sicht Jupiter Themen. Eine Religion, eine Ideologie oder das Gesetz sind die ausführende Instanz der Macht. Unter solch einem Deckmantel meinen wir, eigenmächtig sein zu können und zu dürfen. Wenn wir aber nach der eigenen Ordnung leben, der eigenen Natur das Ruder überlassen, antizyklisch sind oder nicht einer gängigen Moralvorstellung entsprechen, dann wirkt das Eigenmächtigsein bedrohlich. Die Angst vor der Anarchie taucht gleich mit im Fahrwasser auf. 

Meine Erfahrung ist die, dass Menschen, welche einen starken Willen haben, oftmals starke Regeln im Außen brauchen. Diese bilden sozusagen den Selbstschutz. Es fällt vielen schwer, die Verantwortung für den eigenen freien Willen zu übernehmen. Damit meine ich, dass du dich immer wieder neu deinem Ego und deinem Eigenwillen stellen musst. Das führt zu Enttäuschungen in dir selbst und kann sich für dich anstrengend anfühlen. Vielleicht fällt es dir leichter, dich an vorgegebene Regeln und Grenzen zu halten, als die Grenzen und die Regeln deiner Natur, deines Körpers, deines Biorhythmus oder deiner Werte zu respektieren.

Das wichtigste Element hierbei ist deine neutrale Haltung gegenüber allem, was in solchen Momenten in dir auftaucht. Dadurch trennt sich die Spreu vom Weizen ganz selbstverständlich und du kannst unterscheiden, ob dein Wollen einer Laune, einem inneren Drama oder einem tiefgreifenden Impuls in dir entspringt. 

Diese innere Auseinandersetzung ist die Grundlage deines eigenmächtigen Handelns. Du nimmst jeden Impuls in dir ernst und überprüfst diesen aufrichtig in dir. Damit stehst du dir selbst im Rücken und kannst dich in deiner Verletzlichkeit, deiner Angst und deinen Wünschen in Begegnung zeigen und zugleich bist du kraftvoll und konsequent in deinem Handeln.  

Letztlich ist jeder von uns tagtäglich damit konfrontiert, eigenmächtig zu entscheiden und zu handeln. Damit meine ich, dass wir immer etwas wollen und uns etwas wünschen. Meist suchen wir die Rechtfertigung hierzu in guten Argumenten oder geben die Verantwortung ab, indem wir die Situation oder das Umfeld hierfür vorschieben. 

Du hast die Wahl, ob du hinter geschickten Strategien versteckt bleibst oder ob du die Nähe zu dir selbst wagst und beginnst, mit deinen eigenen Naturgesetzen sichtbar zu werden. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

siebzehn + vierzehn =