Zwielicht oder Verheißungsvoll?

Heute morgen beim Laufen: Der Himmel noch diesig, neblig, alles liegt wie im Schlaf verborgen, wie in Watte unter dem Nebel. Die Wettervorhersage für heute lautet, dass es gleich aufreißen wird und die Sonne durchkommt. Die Sonne kann ich bereits hinter dem Nebel erahnen, es ist dieses helle und leicht gelbliche Licht. Trotz meines Gefühls, dass jeden Moment die ersten Strahlen durchkommen, bleibt es grau und fordert meine Geduld bis zum Mittag… 

Ich mag dieses Zwielicht im Nebel, wenn noch nicht klar ist, ob es die Sonne schafft oder nicht. Es ist für mich diese Ahnung von Verheißungsvollem und zugleich das Ungewisse, was den besonderen Reiz ausmacht. Das Wunderbare an dieser Wetterlage ist die Luft. Es ist dieser Geruch im Wald von moderndem Laub, Baumstämmen und Geäst. All das lässt mich lebendig und mittendrin im Prozess fühlen. Es ist etwas im Entstehen, im Werden. Die Magie ist für mich in solchen Momenten, dass ich es noch nicht weiß. Die Entspannung liegt für mich darin, dass ich die Eindrücke um mich herum mit all meinen Sinnen genieße.  

Als ich so durch den Wald und am Alsterlauf entlang laufe, kommt mir der Gedanke, dass diese Eindrücke sehr gut beschreiben, wie es sich anfühlt, wenn wir etwas wahrnehmen, was noch nicht sichtbar, jedoch bereits fühlbar ist. Wir ahnen in solchen Momenten, dass Dinge in Bewegung geraten, oder bereits, auch wenn noch nicht sichtbar, in Veränderung sind. Wir hören sozusagen schon ein Donnergrollen in der Ferne, obwohl der Himmel noch blau ist. Oder wir spüren schon eine beginnende Erleichterung, obwohl das Ende einer Belastung noch nicht in Sicht ist. 

Aktuell befinden wir uns in einer Phase, welche uns stark in dieser Wahrnehmung herausfordert. Pluto wechselt in Kürze (23.03.2023) in das Zeichen Wassermann und Saturn in wenigen Tagen (07.03.2023) in das Zeichen Fische. Damit gehen große persönliche Veränderungen und Herausforderungen einher, welche bereits in vollem Gange sind. Meine Erfahrung ist die, dass die inneren Prozesse, welche mit den kommenden Veränderungen einhergehen, besonders intensiv kurz vor einem Zeichenwechsel in mir bereits beginnen zu arbeiten. 

Vielleicht spürst du, wie es in dir gärt, wie es untergründig in dir rüttelt, wie dein Boden in dir bricht. Vielleicht denkst du, wenn ich es ignoriere und mich ablenke, dann vergeht dieses Gefühl wieder. Oder du spürst deine innere Panik und kannst noch gar nicht verstehen, wovor du dich fürchtest und was es ist, was da in dir arbeitet und nach oben in dein Bewusstsein drängt. 

In all diesen Gär- und Loslassprozessen bist du gerade mit dem Nebel in dir konfrontiert. Zugleich mit der Ahnung, dass in dem Noch-nicht-Sichtbaren, welches durch den Nebel hindurch kommen wird, die Sonne in deinem Leben aufgehen könnte. 

Die Herausforderung, welcher jede/jeder von uns aktuell begegnen muss ist das Zurückgeworfenwerden auf sich selbst. Jedesmal, wenn wir versuchen, einen Schnellschuss zu starten, um der auftauchenden Enge zu entkommen oder uns von alten Glaubenssätzen leiten lassen, welche im ersten Blick in uns auftauchen, werden wir enttäuscht. Dann hebt sich also eine Täuschung auf. 

Es ist unser voreingenommener Blick und die vorauseilende Prophezeiung, welche gerade im Begriff sind, sich aufzulösen. Diesen Prozess kannst du annehmen und dir zu Nutze machen, oder du kannst dagegen kämpfen und dich bedroht fühlen. 

Du nutzt diese Strömung, indem du einwilligst, dass vieles, was du bisher als wahr oder richtig empfunden hast, vielleicht lediglich die Adaption von äußeren Erwartungen war. Die aktuelle Zeit eröffnet dir die Möglichkeit, einen völlig neuen Blick auf dich und deine Bewertungen dir selbst gegenüber zu gewinnen. Allerdings musst du hierzu den Prozess der Auflösung durchlaufen. Also der innere Nebel gehört gerade dazu, ebenso wie die Angst vor dem Zwielicht deiner Schatten und deine Hoffnung, dass etwas Verheißungsvolles in dein Leben kommen wird. 

Wenn du gegen die Auflösung ankämpfst, dann bleibst du die Gefangene/der Gefangene deiner eigenen Konstrukte und in der Knechtschaft deines Wollens und deiner Wünsche. 

Willst du lernen zu genießen und mit all deinen Sinnen die Auflösung zu erleben? Bist du bereit dem Werdenden und Vergehenden in dir mit deiner Wertschätzung und deinem Mitgefühl zu begegnen? 

Dann beginne, deiner inneren Natur zu vertrauen und löse dich von der Vorstellung, dass du etwas tun müsstest, damit die Sonne durch den Nebel kommt. Es ist dein Sein und deine Bereitschaft, dich enttäuschen zu lassen, was dich bei dir ankommen lässt und dich die Auflösung mit Leichtigkeit erleben lässt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

dreizehn + 18 =